Im Glauben wachsen - die unsichtbare Linie
Herausforderungen im Glauben
Ich kenne keinen reifen Christen, der im Glauben (Vertrauen) gewachsen ist, ohne dass er sich Herausforderungen stellen durfte. Die Herausforderungen bilden die unsichtbare Linie, die wir mit Gottes Hilfe überschreiten können.
Alle Vorbilder in der Bibel hatten ihre Herausforderungen und mussten sich dem ihnen Unmöglichen stellen. Nicht selten haben sie etwas vergeigt und an der ein oder anderen Stelle versagt. Dennoch blieben sie treu und haben von Gott eine zweite (dritte, vierte …) Chance bekommen.
Besonders mag ich die Stelle von Petrus, der Jesus dreimal hintereinander verleumdet. Sein ehrlicher Umgang mit seinem „Versagen“ befähigt ihn, von Gott mehr anvertraut zu bekommen. Petrus kennt seine Grenzen, weiß, wo seine Kraft, seine Fähigkeit aufhört. Dies ist genau der Punkt, wo Gott gern startet. Hier kann sich Gott verherrlichen, denn es gilt:
"Wenn ich schwach bin, ist er stark."
Bist du bereit, diese Linie zu überschreiten? Dich in Situationen führen zu lassen, in denen du absolut abhängig bist von Gott?
Damit ist nicht gemeint, einfach loszuziehen und verrückte Dinge auszuprobieren.
Es funktioniert nur auf sein „Wort“ hin:
Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. Mt. 14, 25-32
Das fiel mir auf
Petrus bittet Jesus um sein Wort, seinen Befehl. Denn Petrus weiß: Das Unmögliche ist erst dann möglich, wenn Gott es sagt. Jesus geht darauf ein und gibt ihm ein Wort, einen Befehl, etwas Unmögliches zu tun. Petrus reagiert nun und geht auf das Wasser. Das Unmögliche ist mit Gott möglich. „Auf Dein Wort hin …“ Dann verliert Petrus den (Blick-)Kontakt zu Jesus und schaut auf die Umstände, die Wellen und den starken Wind. Die Sorgen, die „Realität“ und sein eigenes Unvermögen werden Petrus klar. Er singt. Sofort ruft er Jesus um Hilfe und dieser rettet ihn. Jesus erklärt dem Petrus, dass es sein Zweifel, der Mangel an Glaube war, der ihn hat sinken lassen.
Mein persönlicher Leitfaden für herausfordernde Situationen
(zugegeben, ich vergesse ihn selbst manchmal und benötige dann Freunde oder meine Frau, die mich daran erinnern):
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Freiwilligkeit: Petrus bittet um eine Herausforderung. Er möchte eine Erfahrung im aktiven Glauben/Vertrauen machen und erleben, wie sich das bewährt.
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Ohne ein persönliches Wort von Jesus funktioniert das Ganze nicht. Erst auf sein Wort hin geschieht es.
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Petrus muss in Kontakt mit Jesus bleiben. Herausforderungen können manchmal sehr lange anhalten. Verlieren wir den Kontakt, verlieren wir das Vertrauen. Mir wurde mal beigebracht: Lebe verheißungs- und nicht erfahrungsorientiert!
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Die Wellen und der Wind sind real. Es wäre naiv, die Realität zu leugnen! Weise ist es, die Realität zu akzeptieren und dann das unmögliche Eingreifen Gottes zu erwarten.
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Misstrauen passiert. Blöd? Ja! Konsequenzen gibt es auch. Petrus wurde nass und noch viel schlimmer mit seinen Ängsten und seinem Versagen konfrontiert.
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Die beste Reaktion auf Unglaube/Misstrauen: „Hilf mir, Jesus!“
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Sofort streckte Jesus seine Hand aus und lehrte ihm, was passiert war:
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Petrus sah auf das irdische, das scheinbar Mögliche, und erwartete nicht mehr das Unmögliche.
Ich habe diese Lektion schon etliche Male erlebt. Gott gibt mir ein Wort, ich reagiere und manchmal halte ich es bis zum Ende durch und manchmal eben nicht. Ich glaube, der ehrliche Umgang damit ist ein wesentlicher Schlüssel, um darin zu wachsen.
Das göttliche Geheimnis
Das göttliche Geheimnis ist hier wieder ein himmlisches. Was im Himmel von Gott entschieden wird, muss in unserer Welt zur Realität werden. Wie im Himmel, so auf Erden, oder: Was ihr im Himmel löst, wird auf Erden gelöst sein. Auch Freiwilligkeit gehört zu diesen göttlichen Geheimnissen. „Herr, gib mir ein Wort, und ich will reagieren …“ Je mehr dieser Erfahrungen wir machen, desto mehr lernen wir, aus dem Himmlischen zu leben und in dieser Welt freizusetzen. Am besten daran ist, je unfähiger wir sind, das, was Gott möchte, umzusetzen, umso besser kann es gelingen.
Denn was für den Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich.

