Krisen

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal...

Es kommt im Leben eines jeden Christen die Zeit, da führt uns der gute Hirte in das dunkle, das finstere Tal hinein und auch wieder hinaus. Dies sind in der Regel keine Zeiten, in denen man sich wohlfühlt. Im Gegenteil. In der Regel sind es Zeiten, die uns herausfordern und manchmal auch überfordern.

Grundsätzlich brauchen wir uns gar nicht davor zu fürchten. Aber Gott kennt uns. Immer wieder betont Jesus: „Habt keine Angst." Warum sagt er das? Weil er unsere Ängste kennt. Er redet sie nicht klein oder verneint sie. Von daher empfehle ich immer, die eigenen Ängste, Sorgen, Nöte etc. nicht zu verneinen. Ich bringe sie vor Gott, wie alle anderen Bereiche meines Lebens auch. Denn Ängste sind real und gehören zum Leben dazu. Positiv gesehen schützen sie uns sogar vor Gefahren.

Krise

Das dunkle Tal im Psalm 23 stellt für mich ein Beispiel dar, das ich gern mit Krisen gleichsetze.

Eine Krise ist ein Zustand, der unsere individuellen Bewältigungsstrategien überschreitet. Sprich: Wir haben absolut keine Idee, wie wir mit den Ereignissen und Lebensumständen umgehen sollen.

Ein normaler Zustand für einen Christen, der ab und an eintreten kann. Ein Zustand, in dem wir uns bewusst werden, dass wir von Gott abhängig sind. Ein Zustand, in dem Gott sich verherrlichen kann und will!

Bei Krisen unterscheide ich gern in zwei Kategorien:

Selbstverschuldete Krisen aus „Ungehorsam" oder „Sünde“, also der bewussten oder unbewussten Entscheidung, gegen Gott und sein Wort, seinen Willen zu handeln.

Krisen aufgrund der Nachfolge. Wenn wir uns entscheiden, Jesus nachzufolgen, wird er uns in Situationen führen, die wir nicht mehr kontrollieren können!

Sehr starke Beispiele finden sich z. B. bei Mose. Mose hat eine selbstverschuldete Krise herbeigeführt, indem er einen Ägypter ermordete. Später hat ihn Gott in mehrere Krisen geführt, als er z. B. mit dem Volk aus Ägypten geflohen ist, von einer Armee verfolgt wird und das Rote Meer vor sich hat. Auch bei David zum Beispiel finden sich selbstverschuldete und von Gott geführte Krisen wieder.

Gott setzt uns Krisen aus oder lässt sie zu, weil er uns zutraut, dass wir sie meistern können. Meistern mit dem Meister, Jesus, dem guten Hirten. Entscheidend bei allen Krisen ist meiner Meinung nach der Umgang damit:

So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. Der ist wie ein Strauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt. 

Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.  Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. Jeremia 17, 5-8

Mir geht es in meinen Krisen oft so, dass ich genau in diesem Spannungsfeld lebe. Zwischen dem Fluch, es aus eigener Kraft zu versuchen (oft fehlt mir die Geduld, auf Gottes Eingreifen zu warten), und dem Segen, mich auf ihn zu verlassen, ihn zu suchen und seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es auf jede Krise eine Antwort gibt. „Sucht mich, so werdet ihr mich finden …“, sagt Jesus. Oder „Wer bittet, dem wird gegeben". Das Problem ist oft (nicht immer), dass wir die Antwort Gottes gar nicht verstehen, weil wir sie nicht hören wollen oder weil die Antwort nicht in unser Denken passt. Denn oft scheint es widersprüchlich zu dem zu sein, was wir glauben, wissen, bisher an Erfahrungen gesammelt haben etc. Manchmal führen uns Krisen sogar so weit, dass wir unsere Ideen von Gott und dem christlichen Glauben überdenken. Theologien und Bibelwissen greifen auf einmal nicht mehr. Etwas Neues muss her, eine echte Begegnung mit dem lebendigen Gott. Wie z. B. bei Hiob.

Was hilft in Krisen? ... Fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir....

Ratschläge sind Schläge, habe ich mal gelernt. Und tatsächlich gab es auch in meinem Leben Freunde, wie Hiob sie hatte. Sie meinten es gut, aber die Ratschläge waren wie Schläge. Fakt ist, es gibt nicht DAS KONZEPT oder DEN PLAN für das Leben und seine Krisen. Das Leben lebt und ist nicht planbar. Aber es gibt einen, der helfen kann und will. Das ist Jesus. Er hat DEN EINEN PLAN, DAS EINE KONZEPT für uns. Das Ding ist nur, dass diese Konzepte selten übertragbar sind. Das Konzept für uns ist ein ganz individuelles, auf unser eigenes Leben zugeschnittenes.

Das Einzige, das übertragbar ist, sind „Prinzipien", also Regeln, die wie himmlische Naturgesetze greifen. Doch wann welches Prinzip hilfreich und dran ist für uns, muss jeder mit dem guten Hirten für sich selbst besprechen und klären.

Prinzipien (nicht vollständig, es gibt mehr)

Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. »Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand?« Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. »So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!« Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche. Hiob 42, 1-6

  • Demut und Geduld sind ein Schlüssel. „Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.“

  • Setze das um, was Gott dir zeigt. Auch wenn es verrückt oder unsinnig erscheint, lass dich von Gott belehren.

  • Viele Verheißungen in der Bibel sind an eine Bedingung geknüpft. Lass dir von Gott zeigen, ob vielleicht hier ein Schlüssel für deine Situation versteckt ist.

  • Akzeptiere, dass es Situationen und Umstände gibt, die du nicht verstehst. Glauben ist nicht verstehen und sehen. Aber Fakt ist: Jesus ist immer bei dir und begleitet dich.

  • Bei selbstverschuldeten Krisen ist „Buße" unumgänglich. „Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.“

  • Bei Krisen, die aufgrund von „Gehorsam" entstehen, ist das Festhalten an Gottes Wort und seinen Verheißungen wichtig.